Grundriss ändern: Kann ich beim Hausbau alle Innenwände verschieben?

Obergeschoss einer Stadtvilla vor dem Einbau der Innenwände

Obergeschoss einer Stadtvilla im Rohbau. Die späteren Innenwände werden in Trockenbauweise ausgeführt; auch Treppenöffnung und Statik beeinflussen die Möglichkeiten bei der Grundrissgestaltung.

Ein Grundriss lässt sich beim Hausbau an die eigenen Wünsche anpassen. Doch wie frei können Innenwände tatsächlich verschoben oder sogar ganz weggelassen werden? Entscheidend sind nicht nur die gewünschten Räume, sondern auch Statik, Konstruktion und – beim Geschossbau – die Treppe.

Innenwände verschieben: Wie flexibel ist ein Grundriss?

Ein Grundriss ist bei der Hausplanung nicht in Stein gemeißelt. Innenwände können grundsätzlich verschoben und Räume dadurch anders aufgeteilt werden. Entscheidend ist jedoch, ob die gewünschte Veränderung auch konstruktiv funktioniert.

Dabei spielt vor allem die Statik eine Rolle. Denn auch wenn eine Innenwand selbst keine tragende Funktion hat, bedeutet das nicht automatisch, dass die Raumaufteilung völlig unabhängig von der Konstruktion des Hauses verändert werden kann.
Wie groß der Spielraum ist, hängt deshalb auch davon ab, ob es sich um einen Bungalow oder ein mehrgeschossiges Haus handelt.

Was ist beim Bungalow möglich?

Bei einem Bungalow gibt es keine Treppe in ein weiteres Geschoss, die bei der Grundrissgestaltung berücksichtigt werden muss. Auch die Innenwände können grundsätzlich frei angeordnet werden, sofern sie keine tragende Funktion übernehmen.

Das führt manchmal zu der Frage: Könnte man dann theoretisch auch alle Innenwände weglassen?

Grundsätzlich lässt sich auch ein sehr offener Grundriss planen. Die Lasten des Daches müssen jedoch weiterhin sicher abgetragen werden. Fehlen dafür notwendige Auflager, können beispielsweise zusätzliche Träger erforderlich werden.

Damit wird aus einer vermeintlich einfachen Grundrissänderung eine konstruktive Lösung – und die kann sich auf die Kosten auswirken.

Was ist beim Geschossbau zusätzlich zu beachten?

Bei einem mehrgeschossigen Haus kommt zur Statik ein weiterer wichtiger Punkt hinzu: die Treppe. Sie verbindet nicht nur die Geschosse miteinander, sondern benötigt im Grundriss ausreichend Platz und eine entsprechend geplante Deckenöffnung.

Dabei geht es nicht allein darum, welche Treppenform gefällt. Für Treppen gelten auch bauliche Anforderungen, beispielsweise an Stufenmaße, Durchgangshöhen und notwendige Bewegungsflächen. Diese müssen bei der Planung berücksichtigt werden.

Deshalb lässt sich eine vorhandene Treppenlösung nicht beliebig gegen eine andere austauschen. Eine gewendelte Treppe beispielsweise benötigt einen anderen Platzbedarf als eine gerade Treppe. Wird die Treppenform verändert, kann sich das deshalb auch auf die angrenzenden Räume und damit auf den gesamten Grundriss auswirken.

Auch hier gilt: Eine gewünschte Änderung ist nicht automatisch ausgeschlossen. Sie muss aber im Zusammenhang mit der gesamten Planung betrachtet werden.

Grundrissänderungen können auch Auswirkungen auf die Kosten haben

Eine Wand auf einem Grundriss ein Stück zu verschieben, sieht zunächst nach einer kleinen Änderung aus. In der weiteren Planung kann sie jedoch Folgen haben, die auf der Zeichnung nicht unmittelbar zu erkennen sind.

Ändert sich dadurch beispielsweise die Konstruktion des Hauses oder muss die Treppenplanung angepasst werden, kann aus einer einfachen Grundrissänderung zusätzlicher planerischer und baulicher Aufwand entstehen.

Deshalb betrachten wir Änderungswünsche nicht nur danach, ob sie technisch möglich sind, sondern auch danach, welcher Aufwand damit verbunden ist. So lässt sich gemeinsam entscheiden, ob die gewünschte Veränderung diesen Aufwand tatsächlich wert ist.

Fazit: Grundrisse lassen sich anpassen – aber nicht beliebig

Innenwände können bei der Hausplanung verschoben und Räume anders aufgeteilt werden. Wie weit diese Änderungen gehen können, hängt jedoch von der Konstruktion des Hauses, der Statik und bei mehrgeschossigen Häusern zusätzlich von der Treppenplanung ab.

Deshalb bedeutet „individuell anpassbar“ nicht, dass jede Veränderung ohne weitere Auswirkungen möglich ist. Entscheidend ist vielmehr, welche Lösung für den gewünschten Grundriss technisch sinnvoll ist – und welcher zusätzliche Aufwand dafür notwendig wird.

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