Eigenleistungen beim Hausbau: Was ist wirklich sinnvoll?
„Wir möchten beim Hausbau möglichst viel selbst machen.“
Dahinter steckt oft ein nachvollziehbarer Gedanke: Wer Arbeiten selbst übernimmt oder Unterstützung von Familie und Freunden bekommt, kann Kosten sparen.
Grundsätzlich stimmt das auch. Trotzdem schauen wir bei diesem Thema sehr genau hin. Denn entscheidend ist nicht nur, was du selbst machen kannst. Genauso wichtig ist, wann diese Arbeiten stattfinden, ob sie in unseren Bauablauf eingreifen und wie das gesamte Vorhaben finanziert wird.
Erst wenn diese Punkte geklärt sind, lässt sich realistisch einschätzen, welche Eigenleistungen für dein Bauvorhaben sinnvoll sind – und ob daraus am Ende tatsächlich eine Ersparnis entsteht.
Eigenleistung ist nicht gleich Eigenleistung
Für uns macht es einen großen Unterschied, ob du Arbeiten erst nach der Hausübergabe selbst übernimmst oder ob deine Eigenleistungen direkt in den Bauablauf eingreifen.
Klassische Arbeiten wie Maler- und Fußbodenverlegung, Innentüren oder Fliesen können beispielsweise nach der Übergabe erledigt werden. Ab diesem Zeitpunkt bestimmst du selbst, in welchem Tempo du weiterarbeitest.
Anders sieht es bei Gewerken aus, die während unserer Bauzeit ausgeführt werden müssen. Hier müssen die Eigenleistungen genau mit dem Bauablauf abgestimmt werden. Denn auch wenn viele Arbeiten im Innenausbau parallel stattfinden, müssen die selbst übernommenen Gewerke zeitlich in den gesamten Ablauf eingeordnet werden. Das erfordert eine andere Planung als Eigenleistungen, die erst nach der Hausübergabe beginnen.
Wenn Eigenleistungen in den Bauablauf eingreifen
Sobald du Arbeiten während unserer Bauzeit selbst übernehmen möchtest, müssen wir genauer hinschauen. Grundsätzlich werden Eigenleistungen, die in den Bauablauf eingreifen, gewerkeweise betrachtet. Welche Arbeiten konkret selbst übernommen werden können, muss aber immer im Einzelfall abgestimmt werden. Denn nicht jede denkbare Aufteilung lässt sich in der Praxis auch mit den beteiligten Handwerksbetrieben umsetzen.
Für das betreffende Gewerk wird der Bauablauf entsprechend abgestimmt. Außerdem ist für diese Zeit unsere Bauzeitgarantie ausgesetzt. Die fachgerechte Ausführung der Eigenleistung muss anschließend durch eine Fachfirma abgenommen werden.
Wann ein Ausbauhaus interessant werden kann
Wenn du nicht nur einzelne Arbeiten, sondern mehrere Gewerke des Innenausbaus selbst übernehmen möchtest, kann ein Ausbauhaus eine mögliche Lösung sein.
Bei dieser Variante übernehmen wir den Bau bis zu einem klar definierten Stand. Das Haus ist von außen fertig – mit Dach, Fassade, Fenstern und Haustür. Auch das Innenmauerwerk steht. Die Gewerke des Innenausbaus wie Heizung und Sanitär, Elektro, Trockenbau, Innenputz, Fliesen oder Treppe sind dagegen nicht Bestandteil unserer Leistung.
Damit liegt die Organisation und Ausführung dieser Arbeiten anschließend bei dir. Genau deshalb sollte die Entscheidung für ein Ausbauhaus nicht allein davon abhängen, wie viel du oder dein Umfeld handwerklich selbst übernehmen könnt.
Entscheidend ist nicht nur, was du selbst machen kannst
Bei Eigenleistungen wird häufig zuerst auf die handwerkliche Seite geschaut: Was kann ich selbst? Wer aus Familie oder Freundeskreis kann mich unterstützen?
Mindestens genauso wichtig ist aber die finanzielle Seite. Denn der Betrag, der durch Eigenleistungen zunächst aus dem Hauspreis herausfällt, ist nicht automatisch die Summe, die du am Ende tatsächlich sparst.
Wie die Eigenleistungen finanziert werden, wie lange der Innenausbau dauert und welche laufenden Kosten während dieser Zeit entstehen, müssen deshalb von Anfang an mitgedacht werden.
Eigenleistung und Finanzierung müssen zusammenpassen
Ist das Grundstück bereits vorhanden und muss nicht mehr finanziert werden, stellt sich zum Beispiel die Frage, wie der spätere Innenausbau bezahlt werden soll. Wird über die Finanzierung nur das Ausbauhaus abgedeckt, müssen die weiteren Arbeiten aus eigenen Mitteln bezahlt werden. Gleichzeitig laufen bis zum Einzug in der Regel die bisherigen Wohnkosten weiter.
Wird dagegen vorsorglich ein höherer Betrag finanziert, spielt auch der zeitliche Ablauf eine Rolle. Je nachdem, wann das Geld benötigt und abgerufen wird, können Bereitstellungszinsen entstehen. Auch dann laufen die bisherigen Wohnkosten weiter.
Spätestens bei umfangreicheren Eigenleistungen oder einem Ausbauhaus gehört deshalb auch die Finanzierung von Anfang an mit auf den Tisch.
Zeit ist bei Eigenleistungen ebenfalls ein Kostenfaktor
Gerade wenn Familie oder Freunde beim Innenausbau unterstützen, findet die Arbeit häufig neben Beruf und Alltag statt. Was ein Handwerksbetrieb innerhalb seiner eingeplanten Arbeitszeit erledigt, verteilt sich bei Eigenleistungen möglicherweise auf Abende und Wochenenden.
Dabei sollte auch zugesagte Unterstützung realistisch eingeplant werden. Wenn bestimmte Arbeiten fest übernommen werden sollen, muss auf diese Hilfe zum vereinbarten Zeitpunkt Verlass sein. Gerade bei Eigenleistungen während des Bauablaufs werden diese Arbeiten zeitlich mit eingeplant. Fällt die Unterstützung kurzfristig aus, kann das den vorgesehenen Ablauf verändern.
Das ist grundsätzlich kein Problem – sollte aber realistisch eingeplant werden. Denn je länger sich der Innenausbau bis zum Einzug hinzieht, desto länger können beispielsweise Miete und Finanzierung parallel laufen.
Ob sich eine Eigenleistung finanziell lohnt, hängt deshalb nicht nur vom eingesparten Handwerkerlohn ab. Auch der eigene Zeitaufwand und die möglichen zusätzlichen Kosten während dieser Zeit gehören zur Rechnung.
Fazit: Eigenleistung spart nicht automatisch Geld
Eigenleistungen können die Kosten beim Hausbau reduzieren. Wie groß die tatsächliche Ersparnis am Ende ist, hängt aber von mehr ab als vom Wert der Arbeiten, die aus dem Hauspreis herausgenommen werden.
Entscheidend ist, welche Arbeiten du selbst übernehmen möchtest, ob sie in den Bauablauf eingreifen, wie viel Zeit du dafür benötigst und wie verlässlich eingeplante Unterstützung tatsächlich zur Verfügung steht. Auch Finanzierung, mögliche Bereitstellungszinsen und die bisherigen Wohnkosten gehören mit in die Rechnung.
Deshalb klären wir Eigenleistungen möglichst früh und konkret. Denn erst wenn alle diese Punkte zusammen betrachtet werden, lässt sich beurteilen, welche Lösung zu deinem Bauvorhaben passt und ob sich die geplante Eigenleistung am Ende tatsächlich rechnet.




